Review: Hybrid Festplatte Seagate Desktop SSHD mit integrierter SSD im Test

Seagate stellt herkömmliche mechanische Festplatten mit großer Kapazität her, die um eine kleine integrierte SSD erweitert sind. Was bringt die Lösung und ist sie sinnvoll einzusetzen?

Herkömmliche Festplatten bestehen bekannterweise aus Magnetscheiben, über die sich Leseköpfe bewegen. Eine mechanische Angelegenheit also, die bei Zugriffen immer ihre Zeit braucht. Der entscheide Vorteil jedoch: große Speicherkapazitäten sind günstig herzustellen. Eine SSD hat andere Prioritäten: Geschwindigkeit. So sind aktuelle SSDs um den Faktor fünf bis acht schneller als mechanische Platten. Bei zufälligen Zugriffen (im Alltag besonders wichtig, weil man mal dieses Programm öffnet oder mal jenes Foto) fallen die Geschwindigkeitszuwächse ca. 20 bis 100 Mal besser aus. Ideale Voraussetzungen also für ein Systemlaufwerk, aber leider sehr teuer bei hohen Kapazitäten.

Seagte Hybrid Festplatte SSHD

Findige Bastler haben bisher ihr (noch vorhandenes) DVD-Laufwerk in ihrem iMac oder MacBook einfach durch eine SSD ersetzt und so beide Welten kombiniert. Dieses macht Seagate mit einer SSHD (also SSD + HDD) auch, jedoch in einem Gerät und zu einem günstigen Preis. Was ist davon zu halten? Wir haben einen iMac aus dem Jahre 2008 mit dieser Festplatte ausgestattet und einige Zeit damit gearbeitet. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Toll. Leise und schnell.

SSHD: Alltagstaugliche Geschwindkeit und Kapazität zum günstigen Preis

Die Bootzeit, vorher bei 1:20 Minuten, liegt mit der neuen Platte bei 40 Sekunden. Da aber Mac User ihren Rechner sowieso nur schlafen legen ;) ist das Verhalten in anderen Situationen wichtiger. Eine Messung der Geschwindigkeit zeigt eine hohe Geschwindigkeit beim Daten Verschieben, sofern es sich um eine Kopieraktion an einem Stück handelt. Die Schreib/Leseraten liegen dann zwischen 160 und 180 MB/s. Das ist die Geschwindigkeit des verbauten SSD Teils. Jetzt könnte man anmerken, dass SSDs heutzutage weit höhere Raten schaffen, aber das macht diese auch teurer und ist zweitens auch nicht immer zu nutzen, da ältere SATA Anschlüsse diese Geschwindigkeiten sowieso nicht ausreizen können.

Dennoch ist Vorsicht walten zu lassen bei diesen hohen Ergebnissen: diese sind nämlich nur zu erreichen, wenn die kopierten Daten auch alle in den SSD Teil passen. Dieser ist mit 8 GB ausgelegt, alles andere wird von der mechanischen Festplatte aufgenommen. Das ist auch an den Messdaten zu erkennen: unter „Random“ fallen die Schreib/Leseraten deutlich niedriger aus.

Was ist nun im Alltag davon zu spüren? Aufgrund der intelligenten Steuerung der Festplatte relativ wenig, bzw. nur das Positive. Ein Algorithmus sorgt nämlich dafür, dass die häufig verwendeten Daten im SSD-Teil gehalten werden und der mechanische Teil des Konstrukts für weniger verwendete Daten bereit steht. Nun sind 8 GB nicht unbedingt sehr viel. Es reicht aber durchaus, um die typischen Verwendungszwecke eines älteren iMac deutlich zu beschleunigen. Also den Aufruf von Safari, Word, Mail, Skype, iTunes. Diese öffnen sich plötzlich in ein paar Sekunden (nach wiederholtem Male, die Festplatte muss erst lernen, welche Daten zu den häufig genutzten gehören).

SSHD xBench

SSHD 2GB File

Und genau hier liegt der Vorteil dieser Lösung: gefühlt SSD-Geschwindigkeit kombiniert mit einer hohen Kapazität. Erinnert Euch an etwas? Das Fusion Drive von Apple? Exakt. Auch Apple kombiniert (aus zwei separaten Datenträgern) in iMacs und Mac minis eben diese Lösung zusammen. Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, wieso das nicht auch in aktuellen MacBooks möglich ist. Ja, dünn und flach ist toll, aber wer würde nicht gerne zwei Millimeter mehr Dicke in Kauf nehmen, wenn er dafür Gigabyte an Speicherplatz bekäme oder nicht horrende Preise dafür zahlen müsste? Kein Wunder, dass viele die nicht-Retina MacBooks um das Laufwerk erleichtern und dort eine SSD einbauen, um Speed und Kapazität zu bekommen, ohne eine externe Festplatte mitschleppen zu müssen.

Hybrid Festplatte SSHD

Man kann sagen, dass diese SSHD eine sehr intelligente Lösung ist, denn sieht man sich die eigenen Daten mal an, ist es im Gigabyte-Bereich meist so, dass viel Archiv dabei ist, also Musik, Fotos etc. Ja, wer Videoschnitt macht etc. wird widersprechen, aber für diejenigen ist diese Lösung auch nicht gedacht, sondern für Alltagsnutzer, die immer die gleichen Programme nutzen und den Rest der Daten wegspeichern möchten.

SSHD vs. SSD vs. HDD

Im Vergleich mit einer reinen, sehr guten SSD wie der Plextor M5S mit 128 in unserem MacBook zeigt sich, dass sich die SSHD-Kombination bei durchgängigen Schreib/Lesevorgängen nicht zu verstecken braucht. Bei den zufälligen Zugriffen fällt dann jedoch der Konzeptunterschied deutlich ins Auge. Ebenfalls deutlich: die Plextor SSD ist am Anschluss im MacBook auch nicht schneller, obwohl sie auch 500 MB/s lesend schafft – nur eben nicht an einem SATA-Anschluss der ersten Generation. Somit ist auch die von Seagate gewählte Geschwindigkeit für den SSD-Teil ausreichend, denn meist werden wohl ältere Rechner mit ihr aufgerüstet.

MacBook mit Plextor SSD

Verglichen mit einer rein mechanischen Festplatte mit 7200 Umdrehungen (hier bei einem 2011er iMac) ist die SSHD-Kombi jedoch immer noch deutlich besser aufgestellt, sowohl bei seriellen Datenzugriffen als auch bei zufälligen. Man könnte sagen: wer für den geringen Aufpreis von einer mechanischen Festplatte zur SSHD nicht die SSHD nimmt, ist selbst schuld – zumindest dann, wenn er oder sie ein günstiges Systemlaufwerk sucht.

iMac Seagte HDD

Perfekt um ältere Hardware wieder fit zu machen

Und genau das ist auch der gedachte Anwedungszweck der SSHD: ein älterer Rechner, der günstig aufgerüstet werden soll, um mehr Geschwindkeit zu bekommen, für den eine aktuelle SSD aber Perlen vor die Säue ist und der gleichzeitig die hohe Speicherkapazität behalten soll. Wir können nur sagen: Mission erfüllt. Das Arbeiten an dem iMac mit der Seagate SSHD ist sehr angenehm, gerade auch weil nur ein logisches Laufwerk vorhanden ist und die Platte selbst die Aufteilung der wichtigen und weniger Daten in ihren Datenbereichen übernimmt. Man muss sich also auch bei der Installation von OS X oder einem Backup nicht mit verschiedenen Datenträgern rumärgern.

Die Platte, die wir getestet haben, war eine ST1000DX001, ein Modell mit 8 GB SSD Speicher und 7200 Umdrehungen im 3,5 Zoll Format. Seagate bietet die Platte aber auch im 2,5″ Format für Laptops, soll heißen MacBooks, an. Solltet ihr also gerade überlegen, Euer treues MacBook etwas aufzurüsten, könnt ihr einer SSHD durchaus eine Chance geben.

Zur Frage des Lüfters in den iMacs: wir haben das Problem durch den Einbau eines Temperaturfühlers von einem befreundeten Technikers übernehmen lassen.

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