Review: Apples leichtestes MacBook im Test

Apples leichtestes MacBook mit der dünnsten Tastatur im Test: Wir haben es unter die Lupe genommen.


MacBook lighter than Air

Und dabei muss man sich ja schon fast freuen, dass bei etwas über 920g Masse überhaupt noch was da ist :) Apple hat es mit der Entmaterialisierung so weit getrieben wie es nur ging: Ein extrem dünner Displaydeckel, nur einen Anschluss, eine Tastatur mit so gut wie keinem Tastenhub. Das Gerät lässt sich schon mit zwei oder drei Fingern an einer Ecke halten, ohne dass es eine Herausforderung wäre.

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Gewichtsreduzierung schien also das Hauptargument zu sein. Wir sagen: Ziel erreicht. Hat diese Extremdiät aber Auswirkungen auf die alltägliche Nutzbarkeit des Gerätes? Die Befürchtung liegt ja nahe, wenn ein vollständige Laptop an manchen Stellen schon dünner ist als ein iPhone. Wieviel Arbeitsleistung lässt sich denn da noch abrufen?

Für das MacBook spricht erstmal, dass es standardmäßig mit 8 GB Arbeitsspeicher kommt, was für ein flüssiges Arbeiten sehr angenehm ist. Der Festplattenspeicher kommt in aufgelöteter SSD Variante und somit auch mit blitzschneller Zugriffszeit. Beide Ausstattungsmerkmale dienen größtmöglicher Geschwindigkeit.

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Das Display ist auch sehr zu loben: Es ist hochauflösend und passt daher mit seiner Retina-Eigenschaft bestens in Apples Philiosophie bei Bildschirmen keine Pixel mehr erkennen zu lassen. Auch ist es sehr hell, so dass man beim Arbeiten im Inneren die Helligkeit durchaus weit reduzieren kann, was wiederrum der Akkulaufzeit entgegen kommt.


Der Preis für die Leichtigkeit des Seins

Die erste Einschränkung des sehr kompakten Gerätes ist somit auch nicht das nur 12″ große Display, das man fast gar nicht als kleiner empfindet als einen 13″ Monitor, sondern der verbaute Prozessor. In unserem 1,1 GHz Modell, dem kleinsten erhältlichen, merkt man bei sehr hohem Arbeitsaufkommen schon die Begrenztheit der Rechenleistung. Obwohl mit vier Kernen ausgestattet, sollte man sich die (beim Autor vorhandene) Angewohnheit in mehreren Browsern um die vierzig Tabs aufzuhaben, doch eher abgewöhnen. Es läuft zwar alles, aber man merkt, dass hinsichtlich der Rechenleistung einfach keine Reserven mehr vorhanden sind.

Die Vorzüge dieses Prozessors sind dafür der sehr geringe Stromverbrauch (man kommt durchaus auf Laufzeiten von 6 bis 7 Stunden) und die völlig passive und damit lautlose Kühlung.

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Die zweite Einschränkung, die je nach Nutzungsszenario weit einschränkender sein kann, ist, dass es nur einen USB-C Port gibt. Somit kann das MacBook nur mit dem beiligegenden Netzteil geladen werden. Oder man kann einen Adapter auf herkömmliches USB anschließen, aber nicht laden. Oder man kauft den Apple für herkömmliches USB, mit dem man auch gleichzeitig laden kann, hat aber keinen Ethernetanschluss. Wie Ihr seht, ist das Einsatzszenario eindeutig eine Umgebung, wo alles Kabellos laufen soll, und nur der Strom noch per mechanischer Buchse seinen Weg ins Gerät finden soll.

Das verfügbare WLAN im MacBook funkt nach dem ac-Standard und bringt zwei Antennen mit, die maximale Geschwindigkeit, die mit drei Exemplaren zu erreichen wäre, ist also nicht möglich.


Eine neue Variante der haptischen Verbindung zum MacBook

Etwas in Entscheidungsschwierigkeiten bringt uns die neue Tastatur. Sie ist vom Format her genauso groß wie die herkömmliche und bringt sogar etwas größere Tasten mit. Zudem wurde die obererste Reihe der Funktionstasten neu aufgeteilt und die Links/Rechts-Pfeiltasten vergrößert.

Und das Tippgefühl? Entgegen aller Befürchtungen gibt es noch einen mechanischen Hub der Tasten. Dieser ist auch sehr präzise, nichts klappert oder wackelt. Allerdings ist der Höhenunterschied bis zum Anschlag wirklich minimal. Weniger geht nicht. Das verführt in den ersten Stunden schreiben dazu, dass man etwas auf der Tastur rumhackt: man möchte sichergehen, dass man nicht zu wenig Druckt ausübt, so dass man gar keine Eingabe erhält.

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Die Kritik ist nicht der Funktionsweise oder der baulichen Qualität der Tasten anzulasen: diese sind über jeden Zweifel erhaben. Es hat zudem eine Weile gedauert, den eigentlichen Kern des Schreibgefühls zu formulieren, und es ist dieser: Der Federweg der Tasten ist so kurz, dass es zu schnell geht und man während des Tippens einfach nicht entscheiden kann ob man schon gedrückt hat oder nicht. Es ist kein Vorgang mehr die Taste zu drücken, eher ein digitales “gedrückt/nicht gedrückt”.

Es fühlt sich an wie “digitales” Tippen.

Apple hat hier wirkliche die letzte Möglichkeit genutzt um überhaupt noch mechanische Bewegung zuzulassen, und es ist auch nicht schlecht gelungen. Es ist aber doch ein eklatanter Unterschied zu herkömmlichen Tastaturen. Nicht umsonst ist auch das neue Smart Keyboard, das dem gleichen Designschema folgt wie das MacBook Keyboard, mit etwas mehr Hub ausgestattet. Wir können Euch nur raten, es vorher ausführlich auzuprobieren. Nochmal: es ist keine schlechte Lösung, aber eine starke Geschmackssache.


Sound hervorragend, Netzteilkabel separat, Akkuwechsel aufwändig

Positiv anzumerken ist, dass auch das kleinste MacBook eine Entspiegelungsschicht vor das Display bekommt, um so Reflexionen auf ein Minimum zu reduzieren. Es lässt sich wirklich angenehm damit arbeiten.

Überraschend gut ist auch die Soundwiedergabe: Wer bei einem so dünnen Gerät auch dünnen Sound erwartet, wird eines besseren belehrt: er ist klar und fast schon sehr laut mit einem angenehmen Klangbild. Es klingt so gar besser als die älteren MacBook Pro, die ja bekanntlich sogar einen kleinen separaten Subwoofer haben. Apple hat bei der Musikwiedergabe durch die kleinen Lautsprecher ganze Arbeit geleistet.

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Ein weiterer sehr positiver Punkt, besonder für alldiejenigen, die im Ärger mit ihrem MacBook Netzteil hatten: Das Ladekabel ist jetzt per Stecker mit dem Netzteil verbunden und somit bei einem Defekt austauschbar. Es besteht also nicth mehr das Problem, dass das Kabel am Gehäuse abbricht und man das ganze Teil neu kaufen muss. Eine sehr positiv zu bewertende Veränderung. Der USB-C Standard macht auch einen guten Eindruck: er ist ebenso verdrehungssicher wie Lightning, was dazu führt, dass Ihr ihn beiden möglichen Positionien einstecken könnt. Es gibt also kein “Richtigrum” oder “Falschrum” mehr, und der Stecker rastet auch merklich ein, so dass nichts wackelt. Hervorragend.

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Und wo ist nun der Haken? Nun, hinsichtlich eines evtl. Akkutausches in ein paar Jahren müsst ihr um die 150 Euro einplanen um ihn bei Apple wechseln zu lassen, da der Akku in diesem Gerät sehr verschachtelt aufgebaut und überall verteilt ist. Es ist nicht unmöglich, kostet aber Apples Gebühren und ist aufwändiger als bei anderen MacBooks.


Das MacBook ist das bessere iPad

Das Preisleistungsverhältnis ist zudem nicht das beste. Das Gerät ist eine Demonstration, was aktuell technisch möglich ist. Weit günstiger ist das MacBook Air (ohne Retina Display, mehr Rechenleistung) und weit leistungsfähiger für den gleichen Preis ist das MacBook Pro.

Und das ist auch das Fazit und unser empfohlener Anwendungszweck: als Arbeitstier ist das dünnste MacBook zu gebrauchen, wenn man hauptsächlich textlastige Arbeiten verrichtet und jedes Gramm zählt, weil man ständig unterwegs ist. Wer etwas mehr Leistung möchte, sollte unbedingt den Aufpreis zum stärkeren 1,2 GHz Modell machen. Alle, die Rechenleistung für Ihre Arbeiten brauchen, sollten ein anderes Modell in Betracht ziehen.

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Unterm Strich ist das MacBook das weit bessere iPad: Retina Display, riesiges und fantastisches Force-Touch-Trackpad, normalgroße mechanische Tastatur, Aufsteller immer dabei, zugeklappt geschütztes Display. Wer also viel unterwegs ist und ständig Tippen muss, dabei aber immer einen Sitzplatz hat, für den ist das MacBook die viel bessere Wahl gegenüber einem iPad. Dazu gibt es noch ein vollwertiges OS X und einen USB-C-Port, der viele Anschlussmöglichkeiten bietet.

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