Sich Sachen leihen: Funktioniert die Sharing Economy wirklich?

Sharing Economy ist ja angeblich das nächste große Ding: jeder verleiht seine Sachen an jeden, es ist ja schließlich von allem genug da. Was passiert also, wenn man mal eine Bohrmaschine braucht? Wir haben zwei Dienste getestet.

Zum einen Peerby, welches optisch den etwas schöneren Eindruck macht und auch mit einer App daher kommt und zum zweiten FairLeihen, das nicht ganz so poliert ist, funktional jedoch auf gleichem Niveau ist. Die Bedienung ist bei beiden Diensten noch nicht ganz perfekt, es funktionioniert jedoch und man weiß wo man was findet, jedoch ist die Nutzerführung teils unlogisch oder Übersetzungen (bei Peerby) noch nicht ganz in Deutschland angekommen. FairLeihen verschickt sogar noch das Passwort in Klartext per eMail. Das sollte nun wirklich nicht mehr sein.

Teilen was man hat.

Die Anmeldung bei beiden Diensten klappt jedoch recht schnell und auch eine Anfrage ist schnell gestartet. Wo sich Peerby als fetziges internationales Startup sieht, stellt sich FairLeihen als gemeinnützige GmbH dar. Beiden ist das Ziel gemein: nämlich Dinge, die in jedem Haushalt vorhanden sind, zu verleihen an Menschen, die sie gerade mal kurz oder für ein paar Tage benötigen. Und beide machen ihre Aufgabe nach unserem Test recht gut.

Unser Testobjekt (welches tatsächlich aus benötigt wurde) war eine Bohrmaschine. Schnell eine nette Anfrage gestellt und schon gab es bei Peerby innerhalb von 30 Minuten ein erstes nettes Angebot. Einen Tag später das zweite. Leider waren beide knapp 9 km entfernt. Die Hoffnung, dass sich von den über 250 in Frage kommenden „Nachbarn“ noch einer meldet, wurde jedoch nicht erfüllt.

Peerby Suche

Peerby

Wer FairLeihen nutzt, muss sich auch fair verhalten. Das heißt in diesem Fall, dass man erst einmal drei eigene Geräte zum Ausleihen online stellen muss, bevor man selbst Anfragen stellen darf. Mag vielleicht etwas nervig erscheinen, wenn man schnell die erwähnte Bohrmaschine braucht, ist jedoch unterm Strich wirklich erstmal fair. Schließlich geht es um gegenseitiges Geben und Nehmen.

Auch hier wurde unsere Anfrage sehr schnell beantwortet und wir bekamen eine nette eMail. Dieses Angebot nahmen wir gerne an, der Kieznachbar war nur etwas über einen Kilometer entfernt. Die Abholung war problemlos: wir konnten die Bohrmsachine einfach mitnehmen. Ohne Pfand, ohne Ausweis, ohne Vertrag.

FairLeihen

Damit lässt sich die kurze Erfahrung folgendermaßen zusammenfassen: Ja, es sind immer noch relativ wenige auf Sharingplattformen unterwegs, von denen auch immer nur ein Bruchteil auf Anfragen zu reagieren scheint. Jedoch sind es, zumindest bei häufig anzutreffenden Gegenständen, immer noch genug um sich das gewünschte auszuleihen. Der Umgangston war in unserem Test immer sehr freundlich.

Es funktioniert und man trifft nette Leute.

Wie es mit der Versicherung oder Zuverlässigkeit der Ausleihenden (wir in diesem Fall aussieht)? Nun, das scheint einzig und allein auf Eurer Menschenkenntnis zu beruhen. Da der Leihvertrag nur zwischen den beiden Parteien zustande kommt und sich die Vermittlungsplattformen bisher noch aus den versicherungstechnischen Dingen heraushalten, liegt das Risiko also bei den Beteiligten. Wer höherwertige Ware verleiht, sollte sich also zumindest mal den Personalausweis zeigen lassen und der Ausleihende zumindest eine Haftpflichtversicherung haben (bei der voher zu prüfen ist, ob sie auch geliehene Dinge abdeckt), falls mal etwas zu Bruch geht.

Bisher scheint es jedoch so, dass sich die Menschen, die an diesem Sharing Modell von sich aus teilnehmen, zu der Sorte Mensch gehören, die sich einfach gegenseitig vertrauen. Und ja, auch wir haben unsere geliehene Bohrmaschine unbeschädigt wieder zurück gebracht. ;)

Sharing Economy Websites: Peerby   Peerby App   FairLeihen


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Comments
2 Responses to “Sich Sachen leihen: Funktioniert die Sharing Economy wirklich?”
  1. Andreas sagt:

    „Unser Testobjekt (welches tatsächlich aus benötigt wurde) war eine Bohrmaschine. Schnell eine nette Anfrage gestellt und schon gab es bei Peerby innerhalb von 30 Minuten ein erstes nettes Angebot. Einen Tag später das zweite. Leider waren beide knapp 9 km entfernt. Die Hoffnung, dass sich von den über 250 in Frage kommenden “Nachbarn” noch einer meldet, wurde jedoch nicht erfüllt.“

    Und genau hier setzen wir mit dem LEIHBAR Service an: aufwändige Anfragen und Absprachen, Ungewissheit, zweimal 9 km durch die Stadt fahren? Bei uns kannst du dir für 9 € eine Bohrmaschine am Spätkauf in deinem Kiez abholen.

    • sh sagt:

      Hi Andreas,

      das ist natürlich auch ein guter Ansatz, gerade weil es die Unsicherheit aus der Verhandlung nimmt. Allerdings habt Ihr Spätis bisher nur im Osten Berlins wie ich das sehe, was für mich eben wieder diese 9 km sind. :) Hab Ihr vor auch in den Westen zu expandieren?

      Viele Grüße
      Stephan

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