Review: Cambridge Audio Melomania Touch Bluetooth Ohrhörer im Test

Cambridge Audio Melomania Touch Earbuds

Fantastische Soundqualität für entspannte Tech-Liebhaber.

Cambridge Audio Melomania Touch

Pro

  • top Sound
  • schönes Design
  • sehr bequemer Sitz
  • gute Akkulaufzeit
  • schon tauglich für TWS+ (Android)
  • sehr gute App

Contra

  • müssen teils ins Case bei Gerätewechseln
  • nicht komplett ohne Grundrauschen

 

 

Alle Welt nutzt AirPods! Nicht immer. Bei der Auswahl am Markt lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Wir haben uns für die Melomania Touch von Camebridge Audio entschieden. Grund: Top Sound und lange Akkulaufzeit, dazu extrem bequemer Sitz im Ohr. Also nur Vorteile? Hell no.

 

Nicht die ersten Bluetooth Earbuds von Cambridge Audio

Cambridge Audio hat die Touch nach den M1+ auf den Markt gebracht und man könnte annehmen, dass sie damit ausgereifter sind als wären sie das erste Bluetooth Modell der Firma gewesen. Aber dem war nicht so und es gibt extrem viele Beschwerden im Netz über die ersten katastrophalen Firmwareversionen. Bei der aktuellen (im Test 2.1.9) hat man jedoch keine großartigen Probleme mehr. Das Koppeln sollte klappen wenn man schonmal ein Bluetooth Gerät verbunden hat und sich an die Eigenheiten des verbauten Qualcomm Chipsatzes hält: man verbindet nur einen Bluetooth Earbud, der zweite wird dann per automatischer Nachfrage verbunden (die dritte angezeigte Bluetoothverbindung ist für die App). Im Smartphone wird dann auch immer nur einer als verbunden angezeigt: Das Signal geht an den ersten und wird dann von dort an den zweiten durchgereicht.

Cambridge Audio Melomania Touch Verpackung

Cambridge Audio Melomania Touch unboxing

Daher sinkt auch immer die Akkuanzeige eines Buds schneller als die des anderen. Camebrige Audio hat aber eine schlaue Funktion eingebaut: Erreicht der etwas leerere ca. 40% wird mit einer kurzen Unterbrechung umgeschaltet und der andere Earbud ist jetzt „Master“. Schlau – so kann trotz unterschiedlicher Belastung die maximale Laufzeit erreicht werden. Was auch klappt ist, einfach einen zum Telefonieren im Ohr zu behalten und den anderen ins Case zu legen. Sollte man den Master zurücklegen erkennt das Smartphone das und schaltet innerhalb von ein paar Sekunden auf den andern um – sehr gut.

 

Modern aber keine hundertprozentige Stabilität

Wer übrigens ein modernes Android Smartphone nutzt, kann direkt den TWS+ Mode nutzen (True Wireless Stereo Plus): bei diesem verbinden sich beide Earbuds direkt mit dem Telefon – die Akkulaufzeit steigt so gegenüber der aktuell bei iPhones möglichen Lösung um ungefähr 10%. Dennoch liegen wir mit knapp sieben Stunden Akkulaufzeit auf der ausdauernden Seite.

Cambridge Audio Melomania Touch Bluetooth Settings
Cambridge Audio Melomania Touch TrueWireless Stereo Plus

Gut, es gibt keine grundlegenden Bluetoothprobleme mehr, aptX an älteren Macs funktioniert top und auch das Verbinden mit mehreren Geräten klappt super (nicht gleichzeitig, also immer abmelden und neu verbinden, das ist aber bei den meisten so). Allerdings zeigen sich die Melomania Touch am Mac etwas zickig: sowohl direkt nach dem koppeln als auch nach Verwendung an einem anderen Gerät wollen sie erst kurz in die Ladeschale zurück. Andernfalls koppeln und entkoppeln sie sich ständig. Am Mac also: Verbinden > Ladeschale > Nutzen. Wenn Ihr von einem anderen Gerät kommt: Abmelden > Ladeschale > mit anderem Gerät verbinden. Sie scheinen also nicht selbsttätig die Verbindung zu reseten. Die Homebase in der Ladeschale ist also ein notwendiger Umweg. Vom Mac direkt ans iPhone zurück klappt es aber meist ohne Umweg. Apples Usability erreicht Ihr also mit den Melomania Touch nicht. Das einzige Gerät, mit dem wir gar nicht koppeln konnten, war ein Apple TV 4K: der erste Bud wurde verbunden, die Nachfrage nach dem zweiten erfolgte nicht.

 

Besser als die anderen: Komfort, Design, Touch, App

Top dagegen: der Sitz im Ohr. Die Melomania halten sich nicht nur mit dem üblichen Gummistöpsel im Ohr, sondern gleichzeitig auch mit einem kleinen Silikonflügel im Ohr fest. Nehmt Euch ruhig die Zeit und probiert mal in paar Stunden beim Probehören alles durch. Im Endeffekt sollten sie ohne Druck im Ohr sitzen und somit fast nicht fühlbar sein. Man kann sie wirklich auf ewig langen Bahnfarten im Ohr haben und vergessen dass man sie trägt. Wichtig zu verstehen ist, dass die Gummistöpsel nicht so weit ins Ihr gestopft werden wie die deutliche weicheren Silikonaufsätze anderer Earbuds. Bei den Melomania Touch dienen sie zwar auch dafür luftdicht abzuschließen, müssen aber nicht das ganze Gewicht alleine tragen. Daher achtet beim Herumprobieren darauf, dass sie dicht sind, Ihr das aber nur mit ein bißchen reindrehen ins Ohr und ohne viel Druck erreicht. Der kleine Silkonflügel sollte den Rest erreichen. Falls Ihr da viel Druck im Ohr habt, probiert weiter rum.

Cambridge Audio Melomania Touch detail

Cambridge Audio Melomania Touch sizes

Die Touchfunktion klappt sehr gut, allerdings hat Camebridge Audio die Funktion für Play (einmal tappen) ungünstig belegt. Beim Einsetzen gehts dann gleich los, beim Nachjustieren kommt man dran – es nervt. Zwar kann man in der App mit gut erreichbaren Button die komplette Touchsteuerung abdrehen, wir würden jedoch in den kleinteiligen Einstellung einfach die Touchfunktion für Play/Pause abstellen. Alle anderen Funktionen mit Doppeltap oder langem Tap oder das Annehmen von Telefongesprächen sind nämlich sehr sinnvoll belegt und kollidieren nicht mit dem kurzen Anfassen der Buds. Play/Pause macht Ihr dann einfach über die App. Schön wäre es, wenn Camebridge Audio beispielsweise nach dem Verbinden die Touch Funktion für zehn Sekunden automatisch abstellt bis man sie eingesetzt hat. Oder für Play/Pause es so einrichtet, dass man auf beide gleichzeitig tappen muss. Aktuell würden wir aber die Funktion als einzige abstellen. Zudem wird die Lautstärke etwas zu schnell geändert. Vor/Zurück und alles andere klappt aber gut und ist schön zu bedienen.

Cambridge Audio Melomania Touch Case

Cambridge Audio Melomania Touch USB C Port

Das kleine Aufladecase gefällt uns extrem gut. In weiß sieht es wirklich sehr elegant aus und fasst sich auch gut an – es ist mit einem Kunststoffleder überzogen, was sich gut anfasst. Der Deckel wird mit einem versteckten Magneten gehalten, die Earbuds finden gut Ihren Platz und laden sofort. Kleiner Hinweis an dieser Stelle: Sollten bei Euch die beiden Earbuds nicht sofort zu laden anfangen (kleines rotes Licht), und Ihr erst rumzuppeln müssen, bis sie Strom aufnehmen, dann tauscht alles sofort bei Camebridge Audio aus. In dem Fall haben sich dann die Toleranzen addiert, so dass nicht alle kleinen vier Ladestöpsel den Ohrhörer erreichen und vielleicht einer keine Verbindung kriegt. Das lässt sich nicht korrigieren, lasst es also direkt tauschen. Alles in allem ist das Case aber wirklich schön anzusehen. Nicht das kleinste und flachste (auch aufgrund der relativ hoch bauenden Earbuds selbst) aber mit das eleganteste was aktuell so gibt.

Cambridge Audio Melomania Touch High Performance Mode

Cambridge Audio Melomania Touch battery

Die App ist schlicht Gold! Sonst gibt es häufig irgendeine zusammengepampte App für drei mickrige Funktionen. Nicht so bei Camebridge Audio: zum einen sieht sie top aus. Schlicht und übersichtlich, aber dennoch eigenständig und mit Charakter. Im Übersichtsbildschirm könnt Ihr sofort den Akkustatus einsehen und die Touchfunktion abschalten oder den Transparenzmodus an. Unter Einstellungen könnt Ihr nach Eurem Wunsch die Touchfunktion für einzelne Bereiche konfigurieren, die Sprache der Statusnachrichten einstellen und auch Firmwareupdates machen. Zudem könnt Ihr hier einen Stromsparmodus aktivieren, dazu später mehr. Im Tab Equalizer bekommt Ihr einen wirklich sinnvollen und mächtigen Equalizer geboten: Es lassen in fünf Frequenzbereichen individuelle Einstellungen festlegen und auf drei eigenen Speicherplätzen speichern. Dazu gibt es sechs vorkonfigurierte Einstellungen. Uns hat „Neutral“ am besten gefallen.

 

Grandioser Sound, der über die Schwächen hinwegblicken lässt

Zum Sound: Fan-tastisch. Wir nerven Euch hier nicht mit irgendwelchen audiophilen Interpretationen – können wir auch gar nicht. Nur so viel: Der Sound ist ausgewogen und der Bass geht so weit runter, dass Euch der Kopf vibriert. Für elektronische Musik oder Filme, in denen komplette Planeten explodieren exakt das richtige. Dabei gelingt den Melomania Touch erstaunliches: Sie bilden alles ab. Klingt ein bißchen naiv, völlig klar. Beispiele: Wenn Ihr Elektronik hört, dann geht der Bass in den Keller, die Höhen sind brillant und nerven nicht und die Gesang ist vorhanden ohne von allem irgendwie beeinflußt zu sein. Alles findet gleichzeitig statt und ist schön aufgelöst. Wirklich schön. Jazz ist fantastisch und alle Instrumente bilden ein Ensemble und man bekommt die Seele der Musik mit. Es ist als wärt Ihr mit im Club, aber stündet für jedes Instrument an der Idealposition. Klassik ist warm und ausgewogen.

Unterm Strich liegt in dieser Eigenschaft der Kern des Produktes: Cambridge Audio hat es geschafft Ihr gesamtes Wissen der Soundwiedergabe in einen kleinen Bluetoothkopfhörer zu bekommen. Und dieses dabei nach unserer Meinung nach auch völlig musikstilunabhängig zu gestalten. Ihr könnt Euch also mit basslastiger Musik in der Bahn zudröhnen und am Wochenende das feine Anstreichen des Violinenbogens zu Gemüte führen – mit dem gleichen Ohrhörer. Klar wird es noch feinere und bessere Exemplare geben. Für 90 Euro kriegt Ihr hier aber schon vermutete 90% des Glücks. Der Charakter lässt sich vielleicht zusammenfassen als präzise und detailreich über ein sehr großes Frequenzspektrum ohne dabei kleinkariert zu sein. Der Melomania Touch gibt allem Raum ohne zu analytisch zu sein und gibt lieber der Freude und der musikalischen Wärme den Vorzug. Wer übrigens Active Noise Canceling vermisst: auch in belebter Umgebung schotten die Stöpsel gut genug ab um wunderbar Musik genießen zu können.

Cambridge Audio Melomania Touch Logo

Cambridge Audio Melomania Touch inside

Zu Meckern haben wir aber auch was: Zum ersten würden wir den angebotenen Energiesparmodus nicht nutzen. Zum einen ist ein schnelles Umschalten nicht möglich, da jedes Mal die Firmware neu geschrieben werden muss. Zum zweiten erhöht sich das Grundrauschen, was allerdings wieder im Musiksignal komplett untergeht. Und das ist leider auch beim High Performance Mode nicht ganz weg und durchaus bei leisen Passagen wahrzunehmen. Nach einer Minute schaltet die Elektronik ganz ab und man merkt was komplette Ruhe wäre. Wer also sehr viel Hörbücher und Podcasts hört beispielsweise und Musik mit leisen Passagen und sich über ein leises Grundrauschen ärgert, das leicht über dem eigenen Blutrauschen im Kopf liegt, der sollte sich woanders umsehen. Es ist nicht sehr deutlich und geht üblicherweise im eigentlichen Signal unter. Aber es ist bei nicht vorhandenem Signal eben auch nicht Null. Da hatten wir uns bei der angepriesenen verwendeten AB-Verstärkertechnologie etwas mehr erwartet.

Wo wir gerade beim Grundrauschen sind: der Transparentmodus ermöglicht es Umgebungsgeäusche zu hören, ohne den Stöpsel aus dem Ohr nehmen zu müssen. Auch hier bekommt man ein etwas erhöhtes Grundrauschen – das finden wir aber nicht unbedingt negativ sondern den üblichen Preis für diese Funktion zudem ja meiste sowieso die Musik weiterläuft.

Die Mikrofonfunktion für Telefonate und Videokonferenzen ist ok bis gut. Die Verständlichkeit ist gut, allerdings immer von einem leichten Rauschen unterlegt. Wir haben schon schlechteres erlebt, perfekt ist es aber auch nicht. Es ist am oberen Mittelfeld anzusiedeln, in dem Bereich, wo man noch Einschränkungen bemerkt, aber schon deutlich über den Bereich hinaus ist, als dass es noch nerven würde.

 

Fazit: Top Sound, gemütlicher Sitz, etwas Geduld ist gefragt

Da haben wir es also: Top Sound, sehr angenehmer Sitz im Ohr, Akkulaufzeit um die sieben Stunden, sehr fairer Preis, tolles Case, Mikrofonfunktion gut genug für gelegentliche Nutzung. Die Kosten dafür sind, dass man kein Nutzungszenario haben sollte bei dem man sich über ein sehr leichtes Grundrauschen aufreget (falls man es denn wahrnimmt) und die Earbuds bei einem Gerätewechsel (bei manchen Geräten auch direkt nach dem Koppeln) immer den Umweg über das Case nehmen sollten, damit die neue Verbindung nicht beeinflusst wird. Davon abgesehen war die Bluetoothverbindung immer stabil, auch in proppevollen Zügen. Und wenn Touch für Play/Pause abgestellt wird, kommt man auch im Alltag gut klar, wenn man öfter mal die Ohrhörer berührt.

Zuletzt aktualisiert am 29. November 2021 um 08:45 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Zudem Ihr Euch aus den seltenen Verbindungsproblemen aufgrund des günstigen Preises einfach rauskaufen könnt: nehmt einfach zwei Paare (anstatt der AirPods 3) oder drei (anstatt der AirPods Pro) und nutzt pro Device einfach ein eigenes paar Earbuds. Damit habt Ihr dann auch einen kompletten Tag Akkulaufzeit.

Die Melomania Touch sind also nichts für Ungeduldige, sondern für Nutzer, die fantastische Soundqualität und das ansprechende Design zu schätzen wissen und die Einschränkungen als Charaktereigenschaft respektieren können. Wir finden, dass die Vorteile deutlich überwiegen. Und welches Produkt, dass man wirklich mag, kommt schon völlig perfekt daher?

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