Ein großer Unterschied: MacBook Pro mit und ohne Touch Bar

Was ist der Unterschied zwischen einem Macbook Pro mit und ohne Touch Bar? Das ist eine sehr gute Frage. Und die Unterschiede liegen viel tiefer, als nur die Anwesenheit von Touch Bar oder nicht.


Das Offensichtliche: Die Touch Bar und der Touch ID Sensor

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Das MacBook Pro Modell mit Touch Bar hat, wie Ihr Euch schon gedacht habt, eine Touch Bar. Die Touch Bar ist ein kleines Display im Streifenformat, das die erste Reihe von Funktionstasten auf der Tastatur ersetzt. Da es sich um ein Display handelt, kann es je nach Anwendung, mit der Ihr gerade arbeitet, unterschiedliche verfügbare Funktionen anzeigen.

Das kann sehr praktisch sein, wenn Ihr viel mit Musik- oder Videosoftware arbeitet und gerne direkten Zugriff auf einige Funktionen habt. Für Benutzer, die häufig Funktionstasten verwenden müssen, wie z.B. Entwickler, ist das manchmal nicht sehr intuitiv. Auf jeden Fall ist es eine persönliche Vorliebe, also probiert es selbst aus, wenn Ihr ein MacBook Pro kaufen möchtet.

Sehr schön für jede Benutzergruppe ist der Touch ID Sensor zum Entsperren des MacBooks. Für einige ist gerade diese Funktion es wert, das Modell mit Touch Bar zu erwerben. Wie gesagt ist die Touch Bar und die sich damit ergebende Usability nur der offensichtliche Unterschied zwischen den Modellen. Schauen wir uns das Innere an.


Der Prozessor: 15 Watt vs. 28 Watt, Ein oder zwei Lüfter

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Apples verwendet zwei sehr unterschiedliche Architekturen für beide MacBooks. Das Basismodell ohne Touch Bar erhält einen Intel Core i5-7360U 2,3 GHz (Kaby Lake, 15 W) Prozessor mit Intel Iris Plus Graphics 640, während das Basis MacBook mit Touch Bar einen Intel Core i5-7267U 3,1 GHz (Kaby Lake, 28 W) mit Intel Iris Plus Graphics 650 erhält.

Auf den ersten Blick gibt es also zwei wesentliche Unterschiede: Die Wattleistung (Thermal Design Power) und die Prozessor-Basisfrequenz. Ausgehend von diesen Daten könnte man meinen, dass der Core i5-7267U im Touch Bar MacBook Pro der Stärkere ist – er benötigt mehr Leistung und hat eine höhere Grundtaktfrequenz. Und das gilt auch für ein Szenario: Wenn Ihr lange Zeit 100% CPU-Leistung benötigt. Wenn Ihr Animationen rendert oder komplexe Berechnungen durchführt, bei denen der Prozessor ständig, vielleicht stundenlang, beschäftigt ist, ist dies die richtige CPU für Euch. Das wichtige Detail für Euch ist hier die Grundfrequenz des Prozessors und sie ist beim 3,1 GHz Modell im teureren MacBook Pro deutlich höher. Ihr könnt die CPU dauerhaft belasten, ohne dabei an Leistung einzubüßen. Außerdem verfügt das Touch Bar MacBook über zwei Lüfter, da fast doppelt so viel Wärme abgeführt werden muss. Es ist einfach besser auf intensive Rechenaufgaben vorbereitet.

Und das Nicht-TB-Modell? Ist es so viel langsamer? Nur wenn Ihr es für das genannte Szenario verwendet. Dann bleibt die Grundfrequenz bei 2,3 GHz für einen heißen Prozessor und das ist offensichtlich viel langsamer als die 3,1 GHz. Außerdem hat das Basismodell MacBook Pro nur einen Lüfter, so dass die Kühlmöglichkeiten etwas einfacher sind. Für den täglichen Gebrauch überrascht der i5-7360U allerdings: Er hat eine relativ langsame Grundfrequenz, kann aber für kurze Zeit bis zu 3,6 GHz Turbo Boost erzeugen, was höher ist als die des anderen Prozessors. Wenn Ihr also das MacBook normal benutzt und nur gelegentlich die CPU zu 100% nutzen müsst, dann ist dieser Prozessor besser für Euch. Dies kann der Fall sein, wenn Ihr nur im Internet surft, Bilder exportiert, Filter auf Fotos anwendet etc. So ist jede Aufgabe, die nicht über Stunden, sondern nur für Sekunden oder eine Minute läuft, auf dem kleineren MacBook Pro schneller.

Man kann es so sagen: Das MacBook Pro ohne Touch Bar ist der intelligente Arbeiter, während das MacBook Pro mit Touch Bar das ausdauernde Arbeitspferd ist.


Aufgelötete SSD oder nicht, unterschiedliche Akkukapazität

Ein weiterer Unterschied ist die Akkugröße in den beiden MacBooks. Das technisch einfachere MacBook Pro ohne Touch Bar und mit nur einem Lüfter hat einen größeren Akku mit 54,5 Wh, weil es einfach mehr Platz bietet. Das Touch Bar Modell hat nur einen 49,2 Wh Akku. Apple behauptet, dass beide die gleiche Akkulaufzeit haben, aber der tägliche Gebrauch zeigt nach unserer Erfahrung, dass man mit einem größeren Akku besser dran ist: er hält einfach länger. Im Durchschnitt zwischen 30 Minuten und über einer Stunde. Und irgendwie ist das offensichtlich: Es gibt keinen zweiten Lüfter, der sich drehen muss, die Batterie ist größer, es gibt keine Touch Bar, die Strom benötigt, und die CPU ist sparsamer. Allerdings ist der Unterschied in der Akkulaufzeit geringer als erwartet und auch beim Touch Bar Modell ziemlich beeindruckend.

Ein größerer Akku ist immer besser.

Ein interessantes mechanisches Detail ist die Verbindung der verwendeten SSD in beiden Modellen. Da die Flash-Chips im schnelleren Modell direkt auf das Mainboard gelötet werden und daher nicht austauschbar sind, verfügt das Nicht-TB MacBook Pro über eine austauschbare SSD. Dies ist jetzt vielleicht nicht sehr praktisch, da es noch keine Ersatz-SSDs gibt, aber zumindest ist es reparierbar, wenn der Flash-Speicher einmal ausfallen sollte. Und vielleicht gibt es auch Lösungen von Drittanbietern, um die SSDs später aufzurüsten.


Zwei Wifi-Antennen im Vergleich zu drei

Das ist auch eine sehr interessante Tatsache: Das Basismodell MacBook Pro bekommt nur das Basis WLAN, wie das Macbook Air, d.h. man bekommt nur zwei statt der drei Antennen im MacBook Pro mit Touch Bar. Das ist nicht wirklich ein Problem, wenn man nur im Internet surfen möchte, aber wenn man wirklich jedes bisschen Geschwindigkeit braucht, das man bekommen kann, ist der Unterschied ziemlich groß: In der Nähe eines ac-Routers kann die eine Antenne einen Unterschied von 30% machen, also kann man 900 Mbit/s statt etwa 600 Mbit/s übertragen. Wenn Euch die Wifi-Geschwindigkeit sehr wichtig ist, weil Ihr Eure Videoprojekte drahtlos sichern möchtet, denkt an diesen Umstand.


Das MacBook Pro mit den Funktionstasten ist das echte MacBook

Wenn Ihr also das Retina-Display beiseite lasst und Euch nur die anderen technischen Daten anseht, werdet Ihr eines feststellen: Das MacBook Pro ohne TB ist technisch mehr mit einem MacBook Air als mit einem “echten” MacBook Pro verwandt. Wenn Ihr Benchmarks vom MacBook Air 2015 Modell und dem ersten USB-C MacBook Pro Modell 2016 vergleicht, könnt Ihr sehen, dass das Macbook Air mit dem optionalen besseren Prozessor leistungsmäßig fast gleichauf ist. Kein Wunder: Beide Modelle basieren auf 15 Watt CPUs. Die Leistungslücke ist mit den neuesten Updates inzwischen allerdings größer geworden. Außerdem verfügen beide MacBooks nur über zwei Wifi-Antennen und eine abnehmbare SSD.

Was macht nun dieses MacBook Pro ohne Touch Bar aus? Es ist ein Modell, das genau zwischen einem MacBook Air und einem Touch Bar MacBook Pro angesiedelt ist. Es hat ein viel besseres Display als ein MacBook Air, schnellere Prozessoren, ein modernes, elegantes Design mit USB-C-Anschlüssen und den Namen MacBook Pro. Es hat jedoch keine Touch Bar, hat langsameres WLAN als die größeren Modelle und ist langsamer bei der Ausführung umfangreicher CPU-Tasks.

Im täglichen Gebrauch glänzt es jedoch. Schon das Display ist ein Grund, es dem MacBook Air vorzuziehen. Der Prozessor ist die bessere Wahl für die meisten Menschen, die keine Videofilmer oder Wissenschaftler sind, die dauerhaft Rechenleistung benötigen. Und am Ende des Tages hält die Batterie sogar etwas länger. Es ist das Modell, das Apple etwas billiger hätte machen können und damit die MacBook Air Baureihe ersetzen. Es hätte dann die beste Kombination aus moderner Technik und Preis gehabt. Und sie hätten diese Variante ganz einfach nennen sollen: MacBook.

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