Review Dell S2719DC: Ein konzeptionell vereinfachter Nachfolger des Thunderbolt Displays im Test

Apple stellt keine Displays mehr her, hat sich aber dem USB-C Standard verschrieben. Was liegt da näher, als einen Monitor zu testen, der als modernes Display ein paar Hub Funktionen übernimmt? Der Dell S2719DC ist so ein Modell.

Viele Freunde des Thunderbolt Display vermissen es, dass Apple keine eigenen Monitore mehr herstellt. Das lange von Apple gebaute Modell erlaubte es USB, Firewire und Thunderbolt Geräte zu verbinden, dazu kam ein Netzwerkport und die Möglichkeit das MacBook zu laden. Auch Webcam und Lautsprecher waren an Bord. Allerdings war es preislich mit über 1000 Euro auch nicht wirklich für jeden erschwinglich.

Hat man noch so Gerät, so kann man es an Macs mit Thunderbolt 3 Port anschließen, wenn man sich für 75 Euro (!) einen Adapter kauft, für das kleine 12″ MacBook Retina funktioniert aber auch das nicht, denn dieses hat nur USB-C (ohne Thunderbolt). Toll wäre es also, wenn es einen Monitor gäbe, der sich mit einem USB-C Kabel verbinden lässt und der der zumindest ein paar USB 3.0 Ports und einen Audioausgang bereitstellt. Auf eine Webcam können wir verzichten. Für etwas Flexibilität wäre auch ein HDMI Anschluß nicht schlecht, ebenso wenn er gut aussieht. Und eine matt Displayoberfläche, wenns geht!

Dell hat mit dem 2719DC eben dieses Paket zusammengestellt. Es sieht aus wie ein modernes Thunderbolt Display: sehr dünn, gefällig gestaltet und nur sehr dünne schwarze Ränder um das eigentliche Display. iMacs sehen da im Vergleich schon altmodisch aus (im Bild ein Thunderbolt Display mit nachgerüstetem weißen Rahmen), Apple muss sich da bei der nächsten Generation mal etwas bewegen.

Verpackt ist der Monitor gut und auf dem Kopf stehend: öffnet man den Karton nach vorne kann man ihn einfach nach vorne “herausklappen”. Schlau gemacht. Mit dabei sind ein Netzeil mit entsprechendem Kabel sowie ein USB-C Kabel.


Keine teuren Extravaganzen, dennoch ein stilvolles Design

Das Dell Display kommt mit der gleichen Auflösung wie das Thunderbolt Display daher: 2560 x 1400 Pixel. Damit ist es kein 4K Display, aber das wird auch nicht jeder gebrauchen können mal abgesehen davon, dass vielleicht die vorhandene Hardware diese Auflösung gar nicht ansteuern kann (wie das erste Generation 12″ MacBook). Damit kommen wir zuerstmal zum Preis: kostete das Thunderbolt Display über 1000 Euro, so kostet das Dell Display nur um die 500 Euro. Dafür wurde an den richtigen Stellen gespart: Die Rückseite ist aus Kunststoff und das Gelenk zur Neigung ist nicht im Monitor selbst, sondern außen. Etwas weniger elegant, auch weil man bei der Neigungsverstellung den Fuß etwas festhalten solle, aber was solls. Technisch vielleicht nicht so ausgefeilt aber keinesfalls wackelig.

Wichtig ist bei einem USB-C Monitor besonders eine Eigenschaft: dass das Zusammenspiel mit dem angeschlossenen MacBook klappt. Und das klappt in diesem Fall hervorragend! Der Monitor erkennt sofort das Signal wenn das Kabel eingesteckt wird und das Macbook fängt an zu laden. Der Monitor gibt nämlich über das USB-C Kabel bis zu 45 Watt Leistung aus, was sich als sehr praktisch erweist. Kleines Detail: das Laden klappt nur, sofern der Bildschirm auch eingeschaltet ist. Ihr könne also nicht das MacBook zum Laden verbinden, während der Monitor per Knopf unten rechts ausgeschaltet ist. Ist er nur im Standby geht es aber. Laut Dell ist das keine technische Einschränkung sondern so gewollt.


Schöne Farben, mittelmäßiges Backlight Bleeding

Kommen wir zum Bild: ja es ist kein 4K. Dafür ist der Bildschirm aber matt, was sich viele über Jahre gewünscht haben. Stellt man die Farbvorauswahl auf “cool” stimmen die Farben mit einem MacBook Retina Display fast exakt überein. Vergleichen mit einem Thunderbolt Display wirkten die Farben leicht wärmer. Allerdings haben wir schon eine breite Serienstreuung bei den Thunderbolt Displays erlebt, das muss also nichts heißten. Die Farben des Dell S2719DC wirken jedoch sehr kräftig und gut abgestimmt. Dell gibt beim Monitor HDR 600 Fähigkeit an, im Vergleich erschien der Dell aber nicht übermäßig hell – wir sehen das eher mal als die Möglichkeit auch HDR Signale wiedergeben zu können. Ihr solltet nicht erwarten, dass Euch das Display blenden kann. Aber ein bißchen Marketing ist ja immer.

Backlight Bleeding ist, nun ja, vorhanden. Perfektion ist anders. Auf dem Foto haben wir mit der Kamera eine längere Belichtungszeit genommen, im Alltag fällt es weniger ins Gewicht. Zudem sieht es bei meinem iMac unwesentlich besser aus. Wer aber diesen Monitor für Bildbearbeitung möchte, sollte sich dessen bewußt sein: Wenn man sehr penibel drauf achtet, kann man eine leichte Farbveränderung in den Bereichen links und rechts am Rand beobachten. Für die alltägliche Nutzung wie Office, Internet, Filme ist jedoch keine Einschränkung zu erwarten.

Das Niveau eines deutlich teureren Eizos bekommt man damit nicht, allerdings ist das hier ein Modell, bei dem es darauf ankommt dem MacBook auf die Schnelle mehr Bildschirmplatz zu verpassen. Und egal wie oft wir versucht haben das Kabel ab und wieder anzustecken: MacBook und Dell ließen sich nicht verwirren, immer wurde sich gegenseitig erkannt. Das ist besonders positiv hervorzuheben weil es besonders bei USB-C Geräten doch immer mal Querelen gibt.

Für wen ist also dieser Monitor was? Für alle, die keine 4K Auflösung wollen oder brauchen (und auch nicht dafür bezahlen wollen) und die ein Gerät schätzen, dass gut aussieht und bei dem es nicht auf ein super-präzises Bild ankommt aber eines das blendfrei ist und mit guten Farben aufwarten kann. Die Bildqualität ist zum Surfen, Büroarbeiten und Videogucken hervorranged, es ist ein Monitor für den Durchschnittsnutzer. Etwas weiter oben ins Regal solltet Ihr greifen, wenn bessere Ausleuchtung gefragt ist.


Keine Perfektion, aber ein günstiger und zeitgemäßer Nachfolger des Thunderbolt Displays

Die Platzierung des Dell S2719DC ist aber auch eine andere: er ist eine fair bepreiste Lösung für alle die einen modernen Nachfolger des Thunderbolt Displays suchen. Das Design ist schlank und elegant, die Stabilität sowohl mechanisch als auch elektrisch gut, die Flexibilität mit USB, HDMI und Audio-Out gegeben. Zudem spart man sich ein MacBook Netzteil und kann das eigene mit ins Büro nehmen. Im Gegensatz zum fast drei mal so teuren LG 5K Monitor, den Apple als offiziellen Thunderbolt Nachfolger vertreibt, bekommt man zwar weniger Auflösung aber bei Berücksichtigung des Preisleistungsverhältnisses das sowohl im Aussehen als auch in der Funktion für viele Anwendungsszenarien schönere Gerät.



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