Review: Dragino LPS8 LoRaWAN Gateway im Test

Dragino LPS8 LED 1

LoRaWAN Gateway von Dragino für Anfänger im Test.

Dragino LPS8 LoRaWAN Gateway

Pro

  • Regelmäßige Updates
  • gute Reichweite
  • relativ einfach einzurichten
  • viele Optionen
  • The Things Network 3 kompatibel

Contra

  • nicht wirklich sparsam
  • Qualität eher mittel
  • Service nicht vorhanden

Wer beim freien LoRaWAN Netzwerk The Things Network mitmachen möchte, hat wahrscheinlich schon von Gateways der Firma Dragino gehört. Diese richten sich an Nutzer, die mitmachen möchten und technisches Verständnis mitbringen, aber nicht alles von Null selbst zusammenbauen möchten. Wer also schon mal einen Router konfiguriert hat, kommt auch mit einem Dragino Gateway gut zurecht. Wir haben den überall verfügbaren LPS8 ausprobiert.


LoRaWAN Gateway für Anfänger mit vielen Optionen

Das Gerät bietet einen Ethernetport und einen Anschluß für ein USB-C Stromkabel – schön auf der Höhe der Zeit. Zudem gibt es noch einen normalen USB Anschluß. Mit im Lieferumfang enthalten ist das 10 Watt Netzteil incl. USB-A auf USB-C Kabel und eine Antenne. Das erste Einrichten ist recht einfach, wenn man sich an die von Dragino durchaus gut formulierte Anleitung hält. Die Oberfläche basiert auf OpenWRT, wurde aber angepasst. So muss man die wirklich zahlreich verfügbaren Optionen nicht alle nutzen, sondern kann in kurzer Zeit dazu kommen das Gerät als Gateway für The Things Network einzurichten. Dazu gibt es beim Aufrufen der Oberfläche eine grafische Übersicht, wo sich schnell alle notwendigen Einstellungsbereiche aufrufen lassen. Sogar als Access Point (2,4 GHz, eine Antenne) ist das Gerät zu nutzen – oder als Client im WLAN, falls keine kabelgebundene Anbindung möglich ist.

Dragino LPS8 top

Dragino LSP8 ports

Wir haben dem Gerät eine feste IP gegeben, den Access Point abgestellt und das Gerät bei The Things Network in Version 3 registriert und das war schnell erledigt. Der Dragino bietet zwei Möglichkeiten sich mit dem Netzwerk zu verbinden, einmal über Semtech UDP und einmal per Basic Station. Semtech UDP ist die ältere Methode, die aber deutlich schneller einzurichten ist und bei uns auch die einzige Methode war, mit der das Gerät stabil registriert wurde.

Dragino LPS8 accessories

Dragino LPS8 icons

Die Reichweite kommt natürlich immer auf die örtlichen Gegebenheiten an. Getestet in Berlin im vieren Stock konnten wir damit unsere nähere Nachbarschaft abdecken. Das Gerät fing am Tag 100 bis 200 Funkpakete auf. Auf dem flachen Land ohne Bebauung dürfte die Reichweite logischerweise etwas höher liegen. Da zudem die Antenne per SMA verschraubt ist, könntet Ihr diese wechseln und aufrüsten.


Qualität Durchschnitt, Service nicht vorhanden

Die Basic Station Methode ist moderner und wird auch von The Things Network bevorzugt, allerdings klappte das bei unserem LPS8 nicht so recht. Die Einrichtung und Registrierung war zwar möglich, aber die Anbindung zum Netzwerk nicht stabil. Ständig wurde die Verbindung getrennt. Für den alltäglichen Einsatz also in diesem Zustand untauglich. Die verwendete Firmwareversion war die lgw–build-v5.4.1644990565-20220216-1352 vom Februar 2022. Wir hoffen, dass dieser Umstand bei kommenden Updates gefixt wird.

Dragino LPS8 disassembly

Beim Blick ins Innere waren wir etwas verwirrt: auf einem der Chips war ein weißer Klecks Wärmeleitkleber, aber kein Kühlkörper vorhanden. Kurzes Googeln und Vergleichen mit den Fotos bei der FCC ergab, dass dieser wirklich fehlt. Eine Mail an den Dragino Support mit diesem Umstand wurde nie beantwortet. Falls Ihr also einen LPS8 habt solltet Ihr mal nachsehen ob da nicht die Hälfte vergessen wurde. Wir haben schlicht einen kleinen Lüfter eingebaut, der auch den sehr heißen Spannungswandler gleich mit kühlt.

Dragino missing heatsink 1

Dieser und der günstige Chip SX1308 düfte auch der Grund dafür sein, dass der Dragino relativ viel Strom verbraucht, bei uns waren es über 6 Watt. Das ist für die gebotene Technik nicht unbedingt wenig. Zum mittleren Qualitätseindruck trug auch die Antenne bei, die sich nicht wirklich in den 90 Grad Winkel bringen lassen wollte sondern eher windschief am Gehäuse hing.


Fazit: nehmt den neuen LPS8N oder einen LIG16

Das Fazit: die laufenden Softwareupdates und die einfache Einrichtung machen Draginogeräte zu idealen Devices fürs LoRaWAN ohne dass man ewig viel Zeit investieren muss. Gerade für Anfänger ist das All-in-One-Paket ein gutes Angebot. Die mittlere Qualität ist bei Chinaprodukten manchmal zu erwarten, allerdings sollten bei den aktuell aufgerufenen Preisen für das Gerät dieses nicht so lieblos zusammengeworfen werden, dass es notwendige Kühlkörper nicht mehr ins Gerät schaffen. Dass der Support bei einem solchen Hersteller nicht antwortet wundert uns inzwischen nicht mehr.

Dennoch würden wir die Geräte von Dragino empfehlen. Sie sind einigermaßen gut einzurichten, The Things Network kompatibel und kommen – davon gehen wir einfach mal aus – üblicherweise mit allen Bauteilen, die Ihr auch bezahlt habt. Da der LPS8 allerdings von Dragino als End of Life betitelt wird und der SX1308 Chip der schlechteste der Baureihe ist, würden wir das getestete Modell nicht mehr kaufen.

Dragino LPS8 inside

Der LPS8 ist zu Recht am Ende der Lebensdauer angelangt: die 6 bis 7 Watt, wovon schlicht viel in Wärme geht sind einfach zu viel. Wir würden stattdessen direkt auf einen LPS8N (den Nachfolger setzten, der mit dem SX1302 kommt und deshalb sparsamer sein sollte und auch eine bessere Reichweite mitbringt) oder einen aktuellen LIG16, der auch schon mit dem moderneren SX1302 ausgestattet ist. Beide sind allerdings aktuell entweder recht teuer oder schwer zu bekommen. Der LPS8 kann also auch aktuell ein guter Kauf sein, wenn der Preis stimmt, und das wären das für das Gerät nach unserem Ermessen deutlich unter 100 Euro.

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